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Wer darf LehrerIn werden?
10.04.2007 21:21 | Von hbrandl | Permanenter Link | AllgemeinZugangsbeschränkungen sind in der Bildungspolitik der neueste Renner. Nachdem im Februar Bildungsminister Johannes Hahn und die Rektorenkonferenz von Zugangsbeschränkungen zwischen Bachelor und Master sprachen kommt nun die nächste Idee.
"Ich bin dafür, dass die Bestgeeigneten gesucht werden und nicht jeder, der Lehrer werden will, auch Lehrer werden darf."
Günther Haider, Der Standard 07. April 2007, Seite 8
Günther Haider Bildungsexperte für Unterrichtsministerin Claudia Schmied forderte jüngst im Standard einen Auslesungsprozess für jene welche Lehrer oder Lehrerin werden wollen.
Wie zuoft wenn es um Zugangsbeschränkungen geht gibt es zumindest den Medien nach breiten Konsens darüber dass dies eigentlich eine gute Idee ist.
Zwar will (noch) Keine und Keiner eine Ausleseverfahren zu Beginn des Studiums, ein "aussortieren" nach einem Jahr ist aber eine Idee die für viele dann nicht mehr so schlecht klingt. Interessanter Weise wird diesmal aber nicht einmal ein Versuch unternommen das Ganze Objektiv darzustellen. Vielmehr fordert Haider die Entscheidung ob jemand Lehrer beziehungsweise Lehrerin werden soll den AusbildnerInnen zu überlassen. Denn "Erfahrene Kollegen erkennen jene, die für den Beruf wenig geeignet sind." so Haider.
Das Problem von unmotivierten und schlechten LehrerInnen in der Ausbildung zu lösen klingt zwar praktisch ist aber einfach der falsche Ansatz. Es wird immer LehrerInnen geben welche nicht den Standards entsprechen welche wir als Gesellschaft an sie stellen. Um diese zu minimieren muss aber das gesamte Laufbahnkonzept von LehrerInnen überdacht werden. Es gehören geeignete Maßnahmen getroffen um gute LehrerInnen zu motivieren und sehr schlechte von Kindern fernzuhalten.
Die Ausbildung ist für eine Entscheidung aber schlicht zu früh. Es ist nicht möglich nach einem Jahr, geschweige denn zu Beginn der Ausbildung, mit ausreichender Genauigkeit - nahezu 100 Prozent - abzuschätzen ob jemand geeignet ist einmal LehrerIn zu sein.
Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Auch ich bin dafür, dass schlechte LehrerInnen keine Kinder unterrichten sollten. Auch ich bin dafür, dass die Entscheidung für eine Ausbildung als LehrerIn bewusst gefällt werden sollte. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Entscheidung ob man LeherIn werden möchte von jeder und jedem selbst zu treffen ist. Wobei natürlich externes Feedback ob man dazu geeignet erscheint wünschenswert ist.
Fruchtbarer Boden?
Wie schon angesprochen scheint die Idee bei den zuständigen PolitikerInnen zumindest in gewissem Maße auf Wohlgefallen zu stoßen.
"Nichts einzuwenden hat Neugebauer gegen Haiders Anregung, dass Ausbildner nach einem Jahr Studenten aussieben, die für den Lehrberuf ungeeignet sind."
"Die falsche Gewichtung", Kurier 11. April, Seite 2
ÖVP Bildungssprecher Fritz Neugebauer ist "jedes objektivierte Auswahlverfahren recht" [2]. Er stellt sich ein zweistufiges Modell vor dessen Ende er ähnlich zu Haider sieht. Dass dabei natürlich nicht von einem objektiven Auswahlverfahren gesprochen werden kann fällt dabei leider unter den Tisch. Denn durch dieses Modell werden angehende LehrerInnen der kompletten Willkür ihrer AusbildnerInnen ausgesetzt. Nur weil jemand unter LehrerIn sein etwas anderes versteht als die oder der Vortragende muss dies noch lange nicht heißen, dass sie oder er ungeeignet ist.
Auch der Chef der Pflichtschullehrergewerkschaft, Walter Riegler (ÖVP nahe FCG), "kann sich mit dem Vorstoß [...] anfreunden." [3] Wer bei dieser Aussage schon schlimmes ahnt sollte den Artikel zu Ende lesen, denn dort kommt noch ein rettender Satz in welcher Riegler seine Pläne konkretisiert. Er möchte, dass "über Selbstauswahl eine Entscheidung getroffen [wird]. Eine Aufnahmsprüfung vor dem Lehrer-Studium lehnt der Gewerkschafter ab." [3] Diesen Ansatz kann ich nur begrüßen. Jedoch ist mir sehrwohl bewusst, dass es von einer solchen Idee zu der von Haider und Neugebauer nicht weit ist.
Glücklicherweise scheint auch die SPÖ noch dem Gedanken Rieglers zu folgen. Laut Bildungssprecher Erwin Niederwieser soll die Entscheidung den Studierenden obliegen. [3]
Die Zukunft wird zeigen welche der beiden Ideen umgesetzt werden. Für manche EntscheidungsträgerInnen mag der Unterschied nur marginal sein. Es wird unter anderem an der ÖH liegen, dass die Entscheidung in die richtige, gute, Richtigung kippt.
Quellen:
[1] "Nicht jeder, der Lehrer werden will, soll Lehrer werden dürfen", Der Standard 7. April, Seite 8
[3] "Ein gescheiter Schritt, der notwendig wäre", Der Standard 10. April, Seite 33
[4] "Die falsche Gewichtung", Kurier 11. April 2007, Seite 2